Der Krautstrunk ist ein historischer Nuppenbecher des deutschsprachigen und mitteleuropäischen Raums und gilt als wichtiger Vorläufer des späteren Römers.

Begriff und Form
Als Krautstrunk bezeichnet man eine besondere Form des Nuppenbechers. Der Name bedeutet wörtlich Stängel eines Kohls und beschreibt die gedrungene, unregelmäßig genoppte Erscheinung des Gefäßkörpers.
Typisch ist eine becher- oder schalenartig nach außen geöffnete Mündung. Unterhalb dieser Mündung liegt ein umlaufender, heiß aufgelegter Glasfaden, der den oberen Randbereich vom genoppten Körper trennt.
Historischer Kontext
Der Krautstrunk gehört zur Glasproduktion des späten Mittelalters und der frühen Renaissance im deutschsprachigen und mitteleuropäischen Raum. Er steht in Verbindung mit der Tradition des Waldglases, dessen Farbe aufgrund der verwendeten Rohstoffe häufig grünlich, gelbgrün oder oliv erscheinen kann.
In der Entwicklung der Trinkgläser nimmt der Krautstrunk eine Übergangsstellung ein. Er ist nicht mit dem Römer identisch, wird aber als dessen Vorläufer verstanden. Der spätere Römer übernimmt die Nuppen als Gestaltungselement, bildet jedoch Schaft, Kuppa und Fuß stärker aus.
Material und Technik
Für vergleichbare mitteleuropäische Nuppenbecher wurde überwiegend Kalium-Kalk-Silikatglas verwendet. Siliciumdioxid bildet das Glasnetzwerk, kaliumreiche Pflanzenasche wirkt als Flussmittel, und Kalk verbessert die chemische Beständigkeit. Eisenhaltige Verunreinigungen erklären die häufigen Grüntöne.
Das Gefäß wurde geblasen und am Ofen weitergeformt. Die Nuppen entstanden durch kleine Portionen geschmolzenen Glases, die einzeln auf die Wandung gesetzt und je nach gewünschter Wirkung gedrückt oder gezwickt wurden. Sie dienten als Dekor, konnten aber auch die Griffigkeit des Trinkgefäßes erhöhen. Der umlaufende Glasfaden wurde ebenfalls im heißen Zustand aufgelegt.
Stilistische Merkmale
Der Krautstrunk wirkt schwerer und plastischer als die dünnwandigen venezianischen Luxusgläser der Renaissance. Seine ästhetische Wirkung entsteht durch Relief, Lichtbrechung und taktile Oberfläche. Die volkstümlich wirkende Bezeichnung zeigt, dass historische Glasformen oft über anschauliche Alltagsvergleiche benannt wurden.
Beziehung zu Muranoglas
Der Krautstrunk ist keine Murano-Form. Er gehört zur nördlichen und mitteleuropäischen Glastradition, während Murano vor allem für sodahaltiges Cristallo, leichte geblasene Formen und spezifische Dekortechniken berühmt wurde. Der Vergleich macht zwei unterschiedliche europäische Gestaltungsideale sichtbar: genoppte, griffige Waldglasgefäße einerseits und klare, dünnwandige venezianische Gläser andererseits.
Nachwirkung
Die wichtigste historische Bedeutung des Krautstrunks liegt in seiner Rolle bei der Entstehung des Römers. In späteren Römern erscheinen Nuppen besonders am Schaft, während die Trinkschale deutlicher vom Fuß getrennt ist. Dadurch ist der Krautstrunk für die Typologie europäischer Weingläser von besonderem Interesse.
Verwandte Begriffe
- Nuppenbecher: Oberbegriff für Becher mit aufgelegten Glasnuppen.
- Doppelter Krautstrunk: eine in der Fachterminologie genannte verwandte Variante.
- Römer: späteres Weinglas mit fortgeführter Nuppendekoration.
- Waldglas: mitteleuropäische Glastradition, mit der solche Gefäße häufig verbunden sind.
Historische Besonderheit
Der Begriff Krautstrunk verweist nicht auf einen Erfinder oder eine einzelne Hütte. Er benennt das Objekt nach seiner sichtbaren Ähnlichkeit mit einem Pflanzenstängel und bewahrt damit eine anschauliche historische Wahrnehmung der Form.
FAQ
Was bedeutet Krautstrunk?
Krautstrunk bedeutet wörtlich Stängel eines Kohls und bezeichnet einen genoppten historischen Glasbecher.
Ist ein Krautstrunk ein Römer?
Nein. Der Krautstrunk ist älter und gilt als Vorläufer des Römers.
Was ist ein Nuppenbecher?
Ein Nuppenbecher ist ein Becher mit heiß aufgelegten Glasnuppen auf der Wandung.
Hat der Krautstrunk mit Murano zu tun?
Er ist keine Murano-Form, sondern gehört zur deutschsprachigen und mitteleuropäischen Glastradition.
