Hinterglasmalerei

Hinterglasmalerei ist eine Glasdekoration, bei der das Bild auf der Rückseite einer Glasscheibe oder auf einer geschützten Innenseite entsteht und durch das Glas betrachtet wird.

Museale Illustration zur Hinterglasmalerei mit kalter Farbe, eingebranntem Email und églomisé-Vergoldung

Begriff und Grundprinzip

Hinterglasmalerei bezeichnet das Bemalen von Glas, sodass die fertige Darstellung durch den transparenten Träger gesehen wird. Der englische Ausdruck lautet reverse painting. Im Französischen ist verre peint au revers die genauere Bezeichnung für rückseitig bemaltes Glas.

Das Verfahren kehrt die übliche Reihenfolge der Malerei um. Was im fertigen Bild vorn liegt, muss häufig zuerst aufgetragen werden: Konturen, Lichter, feine Ornamente und Schriftzüge. Größere Farbflächen und Hintergründe folgen später, erscheinen beim Betrachten jedoch hinter den Details.

Technische Varianten

Eingebrannte Farben und Email

Ein Teil der Glasmalerei verwendet Schmelzfarben oder Emailfarben, die durch Erhitzen dauerhaft mit der Oberfläche verbunden werden. Solche Farben enthalten farbgebende Stoffe und schmelzfähige Bestandteile. Die Brenntemperatur muss so gewählt werden, dass die Farbe haftet, ohne die Glasscheibe oder das Objekt zu verformen.

Kalte Bemalung

Kalte Farben werden nach der Herstellung des Glases aufgetragen und nicht eingebrannt. Sie können Pigmente, Bindemittel, Lacke, Metallpulver oder Blattmetall enthalten. Da sie empfindlicher gegen Abrieb und Feuchtigkeit sind, werden sie oft auf der Rückseite einer Scheibe oder im Inneren eines Glasobjekts angebracht. Das Glas schützt dann die Dekoration vor direktem Kontakt.

Verre églomisé: Abgrenzung

Der französische Begriff verre églomisé wird bisweilen als allgemeines Synonym für Hinterglasmalerei benutzt. Streng genommen ist das ungenau. Gemeint ist vor allem eine rückseitige Dekoration mit Vergoldung, Schwarzfassung, Email, Malerei oder applizierten Elementen, häufig im Zusammenhang mit Rahmen und grafischen Blättern.

Der Name wird mit Jean-Baptiste Glomy verbunden, einem Pariser Rahmenmacher und Händler des 18. Jahrhunderts. Die spätere Ausweitung des Begriffs auf jede Art von rückseitiger Glasmalerei ist terminologisch problematisch.

Historischer Kontext

Hinterglasmalerei wurde für Andachtsbilder, dekorative Tafeln, Schilder, Uhrzifferblätter, Möbelteile, Spiegelrahmen und kleinere Ausstattungsstücke verwendet. Der Reiz liegt in der glatten, glänzenden Oberfläche des Glases und in der leuchtenden Wirkung der Farben, die hinter dem transparenten Träger liegen.

Von der architektonischen Glasmalerei ist sie zu unterscheiden. Kirchenfenster und andere Glasfenster arbeiten mit farbigen Scheiben, Bleiruten, Schwarzlot, Schattierungen und Lichtdurchtritt. Die Hinterglasmalerei ist dagegen meist ein selbstständiges Bild oder Objekt, das von einer Hauptansichtsseite aus betrachtet wird.

Bezug zu Muranoglas

Hinterglasmalerei ist keine ausschließlich venezianische oder muranesische Erfindung. Sie kann jedoch für Muranoglas relevant sein, wenn venezianische Spiegel, Scheiben oder geblasene Objekte bemalt, vergoldet oder emailliert wurden. Eine Zuschreibung an Murano muss durch konkrete Merkmale oder Dokumente gestützt sein.

Die Qualität des Glases beeinflusst das Ergebnis stark. Klare, gleichmäßige und gut polierte Oberflächen lassen feine Linien und Metallauflagen scharf erscheinen. Bei eingebrannten Dekoren ist zudem die Verträglichkeit von Glas, Email und Brenntemperatur entscheidend.

Erhaltung

Eingebrannte Emailfarben sind im Allgemeinen widerstandsfähiger als kalte Malerei, können aber durch Stöße, Kratzer oder unsachgemäße Reinigung beschädigt werden. Nicht gebrannte Farbschichten reagieren empfindlicher auf Feuchtigkeit, Ablösung und Alterung der Bindemittel.

Bei der Begutachtung muss immer auch die Rückseite untersucht werden. Eine glänzende Vorderseite kann verdecken, dass die Farbschicht darunter bereits Risse, Fehlstellen oder Abhebungen aufweist.

Verwandte Techniken

  • Glasemail: farbiger Dekor, der durch Hitze auf Glas fixiert wird.
  • Rückseitige Vergoldung: Blattmetall hinter einer Glasscheibe.
  • Glasfenstermalerei: architektonische Technik mit Lichtdurchtritt.
  • Spiegel- und Rahmendekor: Kombination von Glas, Gold, Gravur und Malerei.

FAQ

Was ist Hinterglasmalerei?

Es ist eine Maltechnik, bei der die Dekoration auf der Rückseite einer Glasscheibe oder auf einer geschützten Innenseite angebracht und durch das Glas betrachtet wird.

Warum wird in umgekehrter Reihenfolge gemalt?

Weil die zuerst gemalten Details später dem Betrachter am nächsten liegen. Hintergründe werden oft erst am Ende aufgetragen.

Ist Verre églomisé dasselbe?

Nicht genau. Verre églomisé bezeichnet vor allem rückseitige Dekore mit Vergoldung und Schwarz-Gold-Effekten, nicht jede Hinterglasmalerei.

Werden die Farben immer gebrannt?

Nein. Es gibt eingebrannte Emailfarben und kalte, nicht gebrannte Farben.

Hat die Technik einen Bezug zu Murano?

Ja, wenn muranesische Gläser, Spiegel oder Objekte so dekoriert wurden. Die Technik selbst ist jedoch nicht exklusiv muranesisch.